25 Jahre ZVSMM - Belastung ohne Ende (1)
Hier finden Sie einen Auszug aus der alternativen "Festschrift" der BI Sondermüll zum 25-jährigen Bestehen des ZVSMM (1992). Diese Festschrift wurde von der BI dem damaligen bayerischen Umweltminister Thomas Goppel übergeben.
Die 25jährige Entsorgungslüge
Vor 25 Jahren gründete sich der Zweckverband Sondermüll Mittelfranken (ZVSMM). Die in ihm zusammengeschlossenen Städte und Landkreise suchten nach einem Deponiestandort. Eine ausgebeutete Tongrube mit Autobahnanschluß wurde als ideal eingeschätzt. Den dortigen Anwohnern wurde vorgegaukelt, dass die Giftmüllbeseitigung unmittelbar vor ihrer Haustüre völlig unproblematisch sei und keine Belästigungen und gesundheitlichen Gefahren mit sich bringe. Dennoch formierte sich Widerstand gegen die geplanten Anlagen. Der damalige Bürgermeister Sepp Hörtrich (Walpersdorf) wies bereits darauf hin, dass der Standort wegen seiner unmittelbaren Nähe zur Wohnbebauung ungeeignet sei. Darüberhinaus sei zu beobachten, dass die Tongrube bis auf den Sand ausgebeutet sei und das Regenwasser innerhalb weniger Tage versickert.
Teiche mit schillernder Giftbrühe
Doch die Behörden und der ZVSMM stellten sich taub. Sie begannen gegen den erheblichen Widerstand der Bevölkerung die Grube zur Deponie auszubauen. Karpfenteichähnliche Becken aus Lehm wurden errichtet. Man kippte öl- und lösungsmittelhaltige Flüssigkeiten einfach über die Grubenkante in die Becken. Bald entstanden eine Reihe von Teichen mit schillernder Giftbrühe, über deren Zusammensetzung man heute nur noch spekulieren kann.
Bestialischer Gestank
Da die Giftteiche völlig offen waren und ständig flüssiger Giftmüll aus ca. 10 m Höhe in sie gekippt wurde, entstand ein bestialischer Gestank. An manchen Tagen mußten die Anwohner aus ihren Häusern flüchten oder die Fenster und Türen geschlossen halten. Die Zustände waren katastrophal. Aufgrund der zunehmenden Proteste kippte die Betriebsleitung relativ trockenen Giftmüll in die Giftbecken und deckte sie nach und nach mit Giftmüll ab. Welche giftigen Auswirkungen diese narkotischen Dosen auf die Anwohner hatten, kann nur anhand der Augenzeugenberichte geahnt werden.
Frühzeitig wurde die Undichtigkeit der Deponie erkannt
Bereits in den ersten Jahren wurden Teile der Sickerwasserdrainage zerstört, die unter der 30-60 cm dünnen Lehmschicht lagen. Durch das Abkippen der Giftbrühe wurden die Sohle und die Hangdichtung ausgespült. Durch Erosion, Austrocknung und das Befahren der Sohle mit schwerem Gerät wurden Sohle- und Flankendichtung weiter beschädigt. Die "Fachleute" erkannten dies nicht, da offensichtlich die Qualitätskontrolle des Betriebs schlampig war. Bereits in den siebziger Jahren wurden Cynide, Chloride und spätestens Anfang der achtziger Jahre wurde das Schwermetall Vanadium in Beprobungsbrunnen um die Deponie festgestellt. Die Cyanidfunde im Grundwasser sind durch Behördenschriftwechsel aus den siebziger Jahren belegt.
Statt zu handeln wurde abgewiegelt und Falschbehauptungen in die Welt gesetzt
Trotz der frühzeitigen Erkenntnis, dass die Deponie undicht sein mußte, wurde die Verfüllung fortgesetzt. Man wollte weiterhin eine reibungslose Entsorgung des Handwerks und der Industrie garantieren. Wirtschaftliches Vorteilsdenken bestimmte das Handeln, die Anwohner wurden weiter falsch informiert. 1979 wurde die Deponie um ein Volumen von hunderttausenden Tonnen erweitert. Noch 1987 wurde in Werbeschriften des Zweckverbandes behauptet, dass die Deponie optimal abgedichtet ist!
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