Die Schwabacher Sondermülldeponie (1)
Versuch einer Bestandsaufnahme und eines Ausblicks
Die Deponie wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelgrube angelegt. Diese war teilweise bis zum durchlässigen Sandstein hin abgebaut. Somit wurde vor der Verüllung mit Sonder- und Giftmüll, ab dem Juni 1968, eine etwa nur 50-60 cm dicke Lehmschicht als Dichtung aufgebracht.
Bis zum August 1989 wurden mehr als 1,7 Millionen Tonnen Sondermüll eingefüllt, davon allein mehr als 5.000 t Lösungsmittel, ca. 270.000 t ölhaltige Abfälle, mehr als 5.000 t Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (=PAK, evt. dioxinverunreinigt), 13.000 t Bohr- und Schleiföle (evtl. mit Polychlorierten Biphenylen = PCB), über 53.000 t mit Chrom-, Arsen-, Quecksilber- und Bleiverbindungen, sowie Cyaniden und Nitriten, 4 t hochgiftige(!) Abfälle, sowie 9.000 t unbekannter Natur(!).
Die mittlerweise ca. 80.000 m3 Sickerwasser in der Deponie sorgen mit den ca. 40.000 t eingelagerten Säuren und Laugen für intensive chemische Reaktionen mit einer Vielzahl unbekannter Produkte. Hinzu kommen im nordwestlichen Randbereich der Deponie Ablagerungen einer ehemaligen wilden Bauschutt- und Hausmülldeponie, auf der eine zeitlang sogar die US-Army "ablagerte".
Aufgrund dieser Gegebenheiten bescheinigten bisher ausnahmslos alle Gutachter der Schwabacher Deponie ein hohes bis sehr hohes Gefährdungspotential. Nachdrücklich wurde dieses durch die neuesten Einschätzungen vom Tox-Center (Dr. Max Daunderer, München) und Professor Dr. Ottmar Wassermann (Universität Kiel) bestätigt. Beide verweisen übereinstimmend darauf, dass eine Vielzahl von Umweltgiften (Leichtflüchtige Halogenierte Kohlenwasserstoffe = LHKW, Dioxine, Furane, PCB, Schwermetalle, PAK u.a.) aus der Deponie über das Grundwasser oder über den Luftpfad austreten können.
Eine ähnliche Einschätzung traf auch jügst der vom Zweckverband beauftragte Toxikologe Dr. Kortenkamp (Universität Bremen). Alle diese Umweltgifte können zu chronischen Vergiftungen führen, indem sie entweder als Speichergifte wirken oder aber direkte Organschäden hervorrufen.
1 2 3